Kunstvideos

Video-Trilogie

Eine subjektive Wirklichkeit als Rezension

Drei Videos in einer von Hanspeter Lehmann nicht beabsichtigten Trilogie. Dem Künstler offenbart sich im erschaffenen Werk sein inneres Wesen. Dieses intime Erlebnis kann auch dem Betrachtenden zuteilwerden, denn im Spiegel des Objektes erscheint der eigene innere Mensch. In der äusseren Gestaltung der Bildfolgen zeigt sich zudem auch die innere Struktur, die menschliche Funktionalität als solche. In meiner Rezension soll diese ansatzweise beschrieben werden.

Christoph Johannes Meyer, Autor

Trilogie:

Treasures (Schätze)

Mutationen (Veränderungen)

Metamorphosis (Verwandlung)

Teil 1 der Trilogie: Schätze

 Im eigenen Bewusstwerden und durch Erkenntnis ersinnt und erdenkt sich der Mensch nicht nur eine äussere Welt, sondern auch sein inneres Wesen. Dabei bedient er sich entweder eines dualen oder eines polaren Menschen- und Weltverständnisses. In der Dualität trifft er auf nicht zu vereinbarende Gegensätze und in der Polarität stösst er auf zu verbindende Gegenteile. In beiden Fällen begegnet das Eine stets einem Anderen. So erschliessen sich dem Suchenden im Eigenleben resp. Eigenerleben der Psyche innere Schätze.

Diese Zweiheit als eines veranschaulicht Hanspeter Lehmann im ersten Teil der Trilogie in vierzehn Sequenzen mannigfaltig, dies, nachdem er mit einem Eingangsbild zum eigenen Inneren hingeführt hat. Seine Kreativität scheint unerschöpflich zu sein und lässt Raum und Zeit, damit man sich in den belichteten Bildern selbst zu spiegeln vermag. André Lemblé unterstreicht die einzelnen Bildfolgen mit einem jeweils entsprechenden Musikstil, was den einzelnen inneren und äusseren Ereignissen eine zusätzliche Färbung verleiht.

Teil 2 der Trilogie: Veränderung

In den nicht zu vereinbarenden Gegensätzen der Dualität und den zu verbindenden Gegenteilen der Polarität gebärdet sich der Mensch im selbstüberschätzenden Hochmut. Dabei greift er unweigerlich in das von der Natur Gegebene ein und wirkt indessen störend auf das harmonische Gebilde. Als willkürlich Erschaffender einer inneren und äusseren Welt steht er fortwährend in Resonanz zur vorgegebenen Schöpfung. Die erfolgten Eingriffe resp. Übergriffe in diese werden als Mutationen, als Veränderungen subjektiv wahrgenommen und gerne positiv gewertet.

Hanspeter Lehmann bewirkt im mittleren Teil der Trilogie durch fliessende Übergänge zwischen den einzelnen Sequenzen ein zusammengehöriges Ganzes. Das Aktuelle entspringt jeweils einem Vorhergehenden und mündet in einem Nachfolgenden. Eine nicht enden wollende Veränderung des soeben erstandenen neuen Seins und Werdens. Der Komponist Volker Barber bestärkt diesen realen Vorgang gekonnt mit entsprechenden Übergängen, rhythmisch wie instrumental.

Teil 3 der Trilogie: Verwandlung

Die Mutationen münden in der Metamorphose; aus Veränderung wird Verwandlung. Auf drei Ebenen macht sich dies bemerkbar: im noch nicht Bewusstgewordenen, im wachen Bewusstsein und in der Reflexion. Im Noch-nicht-bewusstgewordenen befindet sich der Mensch  in der geistigen Trance, im geistigen Schlaf oder im geistigen Traum. Das geistige Wachsein ist dem mündigen, aufgeklärten Menschen eigen. Es nimmt im individuellen Denken, Fühlen und Wollen Gestalt an. Und die Reflexion ermöglicht die bewusstwerdende Anschauung, die erkennende Betrachtung und die schicksalsergreifende Begutachtung, sei dies hinsichtlich der äusseren Welt oder des eigenen Inneren. Vollzieht sich die Reflexion im Schein, in der Illusion oder gar in der Fiktion objektiv zu sein, ist sie stets übergriffig und wirkt, oftmals unbemerkt, beschämend, demütigend und entwürdigend. Gesteht sich der reflektierende Mensch hingegen ein, subjektiv zu sein, verzichtet er auf einen Wahrheitsanspruch und begnügt sich mit der Beschreibung der eigenen Wirklichkeit. Dann kann die Reflexion auch bereichernd sein in der Scham, in der Demut und in der Würde.

Im dritten Teil der Trilogie werden diese drei Ebenen auf eindrückliche Weise sichtbar: Das Noch-nicht-bewusstgewordene zeigt sich in vermengenden und wieder lösenden Nebelschwaden. Als farbgebende, immerfort verwandelnde Gebilde versinnbildlichen sie das naturbelassene Element der Evolution. Graphische Formen gestalten die zweite Ebene, das geistige Wachsein. Sie sind entsprechend vordergründig angelegt, wirken aufgesetzt und isoliert. Trotz steter Verwandlung ist es ihnen nicht möglich, sich ins naturgegebene Dasein zu integrieren. Ihre aufdringliche Dominanz ist nicht zu übersehen. Das dritte Element ist die von André Lemblé geschaffene musikalische Begleitung. Sie illustriert achtsam die Verwandlungen des Noch-nicht-bewusstgewordenen wie des geistigen Wachseins und prägt durch ihren Hall den Charakter des Gesamtkunstwerkes eindringlich.

MY ELECTRIC HEART

Dies ist ein Musikvideo von der CD MY ELECTRIC HEART. (Solo Projekt von André Lemblé. Produzent: Hanspeter Lehmann.) Musik und Videobearbeitung: André Lemblé. Filmmaterial: Hanspeter Lehmann